Beitrags-Archiv für die Kategory 'Webentwicklung'

Die Großen und der Agenturstrich

Sonntag, 31. Juli 2011 12:55

Viele größere Unternehmen, entscheiden sich ja aus verschiedenen Gründen für Agenturen mit großen Namen wie Alt und Ausgebrannt, Bunt, Olivenölig (Namen aus satirischen Gründen verfremdet) und wie sie alle heißen. Beispielsweise verspricht man sich von dort die besten Konzepte und Umsetzungen, persönliche Ansprechpartner und genügend Ressourcen für Krisen-PR oder Schadenersatz, falls mal eine Kampagne oder Aktion richtig schön nach hinten losgeht. So präsentieren diese Großagenturen ihren Kunden dann von Koks, Irrsinn und Größenwahn – in der Branche als “Kreativität” bezeichnet -  geschwängerte Ideen und Konzepte, von denen manche beim Kunden ankommen, während dieser bei der Präsentation mit den knapp bekleideten Projektmanagerinnen und Key Account Managerinnen flirtet. Ich will auch nicht wissen, wie viele dieser Karriereschlampen schon mit den Ansprechpartnern des Kunden auf dem Klo oder in einem Hotel verschwunden sind, damit es ein Budget gibt. Aber darüber hüllen wir mal den Mantel des Schweigens, wie es auch branchenüblich ist.

Da so bei der Konzeption bereits ein großer Teil des Budgets – gutes Koks ist ja teuer – auf den Kopf gehauen wurde, bleibt für die Umsetzung dann nur noch die Holzklasse. Das bedeutet folgendes: Die tollen Großagenturen geben die Umsetzung dann bei irgendwelchen Klein- und Hinterhof-Agenturen oder Freelancer-Pools in Auftrag. Das ist sogar ein sehr häufiges Prozedere, da die Kontakter der Großagenturen in der Regel mehr Projekte und Arbeiten akquirieren als sie selbst umzusetzen in der Lage sind. Die Umsetzung wandert in eine der genannten Klein-Agenturen vom Agenturstrich, die viele Kunden der Großagenturen im Leben nicht beauftragen würden, weil sie ihnen zu klein und unbedeutend sind oder zu wenig nenneswerte Referenzen sowie zu wenig Personal haben. Aber sie sind günstig und gewähren den Großagenturen vielleicht sogar noch ein langes Zahlungsziel, so dass die Großagentur für die Projektumsetzung auch nicht die eigene Liquidität in Anspruch nehmen muss, sondern noch Zinsen für die Zeit zwischen der Zahlung des Kunden und die Zahlung an die Stricheragentur kassieren kann. Der Kunde hingegen weiß davon nichts und bekommt für teures Geld irgendeinen technischen Müll von vorgestern auf Praktikanten-Niveau mit schickem Frontend vorgesetzt. So ist es dann auch nicht selten, wenn die Großagenturen dem Kunden im Lauf einer Kampagne oder Aktion noch zusätzliche Arbeiten in Rechnung stellen müssen, weil laufend mit heißer Nadel weiter versucht wird, aus einem Polyester-Anzug vom Textildiscounter einen aus Seide genähten Maßanzug vom italienischen Nobeldesigner zu stricken. Begründet werden diese Zuatzkosten mit der angeblich “überwältigenden Resonanz” und ähnlichem Geschwätz, wovon dann Wochen und Monate nach Beendigung des Projekts aber im Reporting nichts zu finden ist. Letztlich hat man nur mal wieder einer Großagentur jede Menge Geld in den Rachen geschmissen, um dafür billigst durchgeführte Arbeiten in unterirdischer Qualität mit bestenfalls durchschnittlicher Reichweite zu erhalten.

Ich will aber auch nicht verschweigen, dass diese Umstände von einigen Kunden direkt und indirekt miterzeugt werden. Art, Weise und Umfang vieler Pitches sind heute so gestaltet, dass manche Agenturen genau so billig und schäbig arbeiten müssen, wenn sie noch etwas verdienen wollen. Da wird von großen Unternehmen erwartet, dass kleine und mittelgroße Agenturen mit großem Aufwand umfangreiche Arbeiten im Vorfeld erbringen, um dann nicht vergütet zu werden und auch nicht den Zuschlag zu bekommen. Es hat ja durchaus schon Fälle gegeben, wo Unternehmen mehrere Agenturen zum Pitch eingeladen haben und das beste Konzept dann doch von der bisherigen Hausagentur durchführen ließen. Insofern ist das Verhältnis zwischen Großagenturen und deren Kunden genau so, wie es angesichts solcher Zustände sein muss: vergiftet und verlogen, geschwängert von Unmengen heißer Luft in der vom Kunden bevorzugten Temperatur.

PS: Kunden sollten bei wichtigen Projekten darauf bestehen, dass die Abnahmeerklärung wortwörtlich eingehalten wird, nämlich:

Die Abnahme des [ganz tollen Dokuments] ist Voraussetzung für die Projektumsetzung durch [ganz tolle Agentur]. Sollten vom Kunden konzeptionelle Änderungen gewünscht sein, sind diese vorab mit [ganz tolle Agentur] zu klären. Bitte beachten Sie, dass nachträgliche konzeptionelle Änderungen unter Umständen mit zusätzlichem Aufwand verbunden sein können.

Nageln Sie die Agentur darauf fest, dass die Projektumsetzung ausschließlich durch die Mitarbeiter der ganz tollen Agentur erfolgt, am besten mit einer schriftlich fixierten Garantie. Wenn dann eine neue, wesentlich höhere Kalkulation vorgelegt wird, sollte man sich als Kunde schnell verabschieden und besser kleinere Agenturen einmal direkt ansprechen.

 

 

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Spruch des Tages

Samstag, 18. Dezember 2010 20:14

In vielen Klein-Agenturen scheint die Meinung vorzuherrschen, dass für das Thema Internet ein Mitarbeiter als “Abteilung” reicht. Und dann ist man ganz empört und enttäuscht, wenn dieser nicht mindestens den Umsatz einer mittelständischen Agentur generiert oder zumindest ein potentiell millionenschweres Startup zugunsten der Agentur launcht. Wie heißt diese um sich greifende Geisteskrankheit eigentlich?

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Verkehrte Welt?!

Donnerstag, 28. Oktober 2010 22:01

Lange Zeit galt die Software- und vor allem Internetbranche als besonders innovativ und auch als Motor von Veränderungen der Arbeitswelt. So ist es heute beispielsweise in den meisten – oft auch börsennotierten – Unternehmen und Behörden üblich, dass dort heute Gleitzeit herrscht und in manchen Abteilungen sogar die Arbeit aus dem Home-Office an einem oder mehreren Tagen pro Woche üblich ist. Umso unverständlicher ist es, dass gerade in der Software- und Internetbranche heutzutage viele Vorgesetzte auf solche Schwachsinnigkeiten wie einen Arbeitsbeginn um 9 oder gar 8 Uhr setzen, während Gleitzeit und Arbeiten im Home-Office offenbar inzwischen verteufelt werden. Als Antwort auf die Wirtschaftskrise fällt diesen offenbar nur mehr Druck und Gängelung den  Arbeitnehmern gegenüber ein. Die eigentliche Leistung wird nachrangig bewertet, das pünktliche und möglichst frühe Erscheinen um 8 oder 9 Uhr hingegen wird zum Wert an sich deklariert. Dumm nur, dass viele Arbeitnehmer dieser versuchten Herrschaft über ihre Zeit durch die Arbeitgeber mit Dienst nach Vorschrift beantworten. Wer seine Mitarbeiter wieder mehr wie Sklaven behandeln will, darf sich über mangelnde Motivation und schwindende Leistungsbereitschaft nicht beschweren.

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Morgenstund hat Gold im Mund…

Donnerstag, 11. März 2010 8:59

Diesen Bullshit dürfen wir Entwickler, die oft eher Eulen oder Feldermäuse sind, welche morgens so ihre Probleme haben, sich immer wieder von Chefs, Vorgesetzten und anderen BWL-Affen anhören. Dass der sonstige Inhalt des Kopfes, zu dem das Gold im Mund gehört, eher etwas stupider ist, wurde jetzt in einer Studie belegt. Mal ehrlich, so etwas haben wir ja schon länger geahnt, oder? Doch während es in Ländern wie Dänemark eine gewisse Quote von Jobs für diese als B-Typen bezeichneten Menschen gibt, herrscht in Deutschland immer noch das Ideal der Militaristen und Bürokraten – schön blöd!

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Wie man an die offenbar immer noch händeringend gesuchten Web-Developer kommt

Mittwoch, 4. November 2009 23:22

Ich habe mich in der jüngeren Vergangenheit häufiger auf Online-Jobbörsen umgeschaut und wundere mich immer noch, wie unprofessionell bis primitiv manche Firmen an die Personalsuche gehen. Am besten sind immer noch jene Firmen, die irgendwelche Personalagenturen und -vermittler mit der Suche nach Web-Entwicklern beauftragen. Ganz ehrlich: Als Entwickler hat man exakt Null Bock, sich überhaupt mit solchen dummschwätzenden und zugleich ahnungslosen BWL-Flachzangen herumzuschlagen, die eigentlich nichts anderes machen, als die Gesuche der Unternehmen in möglichst viele Jobbörsen reinzuspammen, mögliche Antworten zu sammeln und an die Firmen weiterzuleiten. Das beleidigt meine Ingtelligenz und sicher auch die der meisten anderen Entwickler im Lande. Außerdem würden sicher auch potentielle Interessenten gerne wissen, bei wem sie sich bewerben, ob es sich also um ein Systemhaus, eine Agentur, eine reine Software-Schmiede oder ein sonstiges Unternehmen handelt. Das bezeichnet man übrigens auch als Fairness und Agieren mit offenem Visier.

Wenn also eine Firma hingeht und sich hinter einer Personalvermittlungsklitsche versteckt, dann wird das schon seine Gründe haben. Vielleicht ist diese Firma bei Arbeitnehmern bereits (mehrfach) negativ aufgefallen oder ist anderweitig in der Branche derart einschlägig bekannt (z.B. mieses Projektmanagement, wiederholt geplatzte Abgabetermine, schlechtes Arbeitsgerät, Überstunden und Wochenendarbeit als Regel, schlechtes Betriebsklima, mangelhafte Betriebs- oder Teamführung etc.). Warum sollte man sich denn bei solch einer dubios anmutenden Firma beziehungsweise bei deren Personalvermittler überhaupt bewerben?

Daher folgende Tipps für Unternehmen, die nach Web-Developern suchen:

  1. Nehmen Sie die Personalsuche selbst in die Hand. Die meisten Personalvermittler sind irgendwelche absdolut fachfremden BWL-Affen ohne auch nur einen Schimmer von Ahnung, die außer Buzzword-Bingo nichts können. Außerdem dienen selbst geschaltete Stellenanzeigen auch der Eigen-PR des Unternehmens und gegebenenfalls sorgt Ihre Reputation dafür, dass Sie bessere Bewerber bekommen als irgendwelche Vermittlungsklitschen.
  2. Definieren Sie das Anforderungsprofil der zu besetzenden Stelle mit Hilfe von Kollegen und anhand der anstehenden Projekte. Vermeiden Sie eine unüberlegte Auflistung der Fähigkeiten seines Vorgängers ebenso wie ein Überladen der Kompetenzenliste. Das wirkt sonst wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau und deshalb oft genug unseriös.
  3. Laden Sie nach dem Vorstellungsgespräch die 3-5 am besten geeigneten Bewerber zur Bearbeitung einer Probeaufgabe oder für einen Probetag ein und schlafen Sie mindestens 1-2 Nächte über die finale Entscheidung.
  4. Sofern Sie es sich leisten können, stellen Sie die beiden besten Bewerber befristet ein. Einer von beiden wird schon passen, im bestmöglichen Fall sogar beide, so dass Sie Expansionspotential gewinnen. Andernfalls werden Sie einen der beiden innerhalb der Probezeit problemlos los.

Wer sich da noch von irgendwelchen Personalvermittlern einlullen läßt, wie toll sie doch seien und wie gute Bewerber diese angeblich finden können, ist selber schuld, wenn sich niemand meldet oder er immer wieder auf die Nase fällt, denn: Idioten ziehen Idioten an.

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Stichwort “Typo3-Agentur”

Mittwoch, 21. Oktober 2009 22:37

Sehr lustig finde ich immer Einzelunternehmer und Agenturen, die sich auf ein Software-System spezialisiert haben. Häufig findet man so etwas im Bereich Content Management, wo sich manche Anbieter auf Joomla oder Typo3 festgelegt haben. Dies sollte man als potentieller Kunde allerdings auch kritisch betrachten. Denn ähnlich wie bei einem Handwerker, der nur einen Hammer hat und deshalb jedes Problem als Nagel betrachtet, ist diese Gefahr auch bei solchen Dienstleistern gegeben. Entweder erhält man nicht das, was man haben wollte, oder höhere Kosten entstehen, weil der Anbieter nicht mehr die ausreichende Offenheit im Kopf hat, auch andere Systeme zu evaluieren. Gleiches gilt übrigens auch für die Nutzung der inzwischen zahlreichen Web-Frameworks.

Als Kunde kann man diese Art Tunnelblick-Dienstleister ganz einfach prüfen, indem man auch ein Angebot verlangt, welches ausdrücklich nicht auf jenem System basiert, auf das sich der Dienstleister spezialisiert hat. Kommt dabei nur Nonsense heraus, sollte man sich besser einen anderen Anbieter suchen. Andernfalls bekommt man häufig nur Gefrickel und unausgegorenen Schrott für sein Geld.

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Internet Explorer 6 abwracken!

Donnerstag, 16. Juli 2009 17:33

Wie heise vorgestern meldete, stellt der Videodienst YouTube die Unterstützung für den Internet Explorer 6 ein. Anfang des Jahres gab es bereits mehrere Initiativen gegen den Internet Explorer 6, z.B. den IE Death March. In der Tat ist der IE6 bzw. das Festhalten vieler Firmen an diesem fast 8 Jahre alten Stück Software mit seinen Sicherheitslücken und zahlreichen Problemen bei der korrekten Verarbeitung von CSS und JavaScript ein Unfug sondergleichen. Denn die notwendigen Optimierungen und Hacks für alte Internet Explorer verteuern eine Website oder Webapplikation  um 25-50 Prozent. Zugleich ist man als Entwickler dazu gezwungen, einen Rechner oder virtuelle Maschinen mit alten Versionen des Internet Explorers vorzuhalten, was sich natürlich auf die Kostenstruktur auswirkt.

Lange schon hatten wir den Internet Explorer 7, der nicht so viele Macken hat wie der Internet Explorer 6. Vor relativ kurzer Zeit erschien schließlich noch der Internet Explorer 8. Aus welchem Grund sollte man also heute noch moderne Websites und Webanwendungen mit CSS-Layouts und AJAX-Funktionalitäten für einen scheintoten Browser anpassen? Zudem widerspricht dies dem lange gehegten Prinzip, Websites und Webapplikationen  in den letzten beiden Versionen des jeweiligen Browsers zu testen. Insofern kann ich das bereits vielerorts geforderte Abwracken des Internet Explorer 6 nur unterstützen.

Natürlich verkenne ich nicht, dass manche Unternehmen so leichtsinnig waren, den Internet Explorer und da auch gerade den Internet Explorer 6 als Basis für eigene Entwicklungen zu verwenden, indem sie beispielsweise den Internet Explorer zur Anzeige von HTML-Inhalten verwenden. Ich selbst hatte einmal das zweifelhafte Vergnügen mit dem Haufe Reader, der seinerzeit nicht auf den Internet Explorer ab Version X prüfte, sondern genau auf Version X, so dass das Programm nach einem Update des Browsers nicht mehr funktionierte – bis es einen Patch von Haufe gab.

Die Frage ist daher, wie lange wir als Entwickler noch aufwändig moderne Websites mit aktuellen Technologien für einen fehlergespickten Oldtimer-Browser optimieren wollen, der schon jetzt nur noch dahinsiecht und spätestens mit Windows 7 endgültig Geschichte werden dürfte. Wir als Dienstleister sollten jedenfalls endlich den Mut finden, uns ein für allemal von dieser Plage zu befreien.

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