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Apple, das iPhone und der tote Foxconn-Ingenieur

Dienstag, 21. Juli 2009 21:37

Viele meiner Kollegen finden das iPhone von Apple ganz toll und halten das Ding für ein technisches Nonplusultra.  Mir ist dieser Trendschrott hingegen viel zu groß und zu klobig, außerdem halte ich den Hype um das iPhone mehr für ein Ergebnis von Apples Marketing als für das Ergebnis eines technisch herausragenden Produkts. Seit der ersten Generation des iPhones haben viele andere Handy-Hersteller Smartphones auf den Markt gebracht, welche dem iPhone in nichts nachstehen. Aber erzähl einmal einem Apple-Fanboy, dass auch andere Hersteller brauchbare Produkte haben, dann gehen die Missionierungsversuche der Apple-Jünger los.

Wenn aber solche Meldungen die Runde machen, bin ich umso froher, dass ich kein iPhone benutze:

Weil einem Ingenieur der chinesischen Firma Foxconn ein iPhone-Prototyp abhanden kam, sprang er nach Verhören durch Firmenvertreter in den Tod.

Der Ingenieur hatte von Foxconn 16 iPhone-Prototypen für den Versand nach Kalifornien erhalten und bemerkte, dass eines fehlte. Der pflichtbewußten Meldung des Verlustes an den Vorgesetzen folgten eine Wohnungsdurchsuchung und ein brutales Verhör:

Einige Berichte gehen davon aus, dass der Ingenieur auch misshandelt wurde. Freunde sagen, dass auf jeden Fall ungeheurer psychischer Druck auf ihn ausgeübt wurde. Fest steht, dass der verängstigte Mann noch in derselben Nacht aus dem Fenster seiner Wohnung im 12. Stock sprang.

Foxconn produziert für Apple in Südchina unter anderem das iPhone. Zwar hat die Firma sich zwischenzeitich entschuldigt, den Verhörer entlassen und der Polizei übergeben, aber dennoch bleibt ein schlechtes Gefühl im Bauch hängen. Es reicht meiner Meinung nach auch nicht, dass Apple Foxconn zukünftig weniger Aufträge geben will. Denn Apple hätte Foxconn gegenüber vermutlich eine ausreichend große wirtschaftliche Macht, dass es möglich wäre, Einfluß auf die Arbeitsbedigungen und den Umgang der Firma mit ihren Arbeitnehmern auszuzüben.

Natürlich ist der Verlust eines Prototyps mehr als ärgerlich, gerade in einer Plagiatoren-Wirtschaft wie China, und schnell kommt der Verdacht der möglichen Industriespionage auf. Dies ist dann allerdings ein Fall für das Arbeitsrecht, Strafrecht und hinsichtlich möglicher Schadenersatzansprüche auch für das Zivilrecht. Aber keinesfalls können so körperliche Misshandlungen und psychische Repressalien bis hin zum Selbstmord gerechtfertigt werden.

Wenn Apple genügend Anstand und Eier hätte, würde man mindestens die Familie des Toten kontaktieren und finanziell entschädigen, auch wenn der Tod eines Menschen nicht mit Geld zu ersetzen ist.  Zu einer Firma mit den Arbeitspraktiken von Foxconn würde jeder redliche Unternehmer wohl auch die Finger lassen, denn früher oder später fallen dessen Untaten auch auf einen selbst zurück und schädigen so das Image, was man zuvor aufwändig mittels Branding aufgebaut hat.

Spätestens seit 2006 weiß Apple von den Problemen  mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei Foxconn, aber vermutlich heiligt der Profit alles, solange so viele Mac-, iPod- und iPhone-Benutzer zu Kritik gegenüber ihrem “Drogenlieferanten” nicht in der Lage sind.

Ganz schön doof, Apple!

PS: Vielleicht sollte Apple der nächsten Generation des iPhones noch  einen roten Farbtupfer spendieren, damit die Konsumenten gleich wissen, dass auch an diesen eher hochpreisigen Produkten das Blut chinesischer Arbeiter klebt.

Thema: Internet, Sicherheit, Web | Kommentare (1) | Autor: admin